zur Blogübersicht

Offene Integrationsplattform (IIoT) versus Manufacturing Execution System (MES): Ein Vergleich

In der digital vernetzten Welt von heute heißt es Datendrehscheibe statt Datensilos

Mit der Einführung einer Maschinen- und Betriebsdatenerfassung (MDE/BDE) verfolgen produzierende Unternehmen in der Regel das Ziel, dass die in der Produktion erfassten Daten allen Anwendungen innerhalb des Produktionsbetriebs zur Verfügung stehen. Bei einem Manufacturing Execution System (MES) ist das nicht der Fall. Kennzeichnend für das MES ist es, Erfassungssysteme (MDE, BDE) und die darauf operierenden Anwendungen innerhalb eines monolithischen Systems, dem MES zu implementieren. Drittsystemen wird in dieser Weise der Zugriff auf die in der Produktion erfassten Daten verwehrt.

Infolgedessen sind die im MES erfassten Daten für den produzierenden Betrieb in jeder anderen Verwendung als der innerhalb des monolithischen Systems wertlos. Daraus resultiert eine vollkommene Abhängigkeit von dem jeweiligen MES-Systemhaus. Denn nahezu alle IT-Anwendungen im Bereich der Produktion operieren auf Daten der Produktion. Hierzu zählen unter anderem Anwendungen im Bereich der Auftragsfeinplanung, Fertigungssteuerung, Personaleinsatzplanung, Werkzeugverwaltung oder Systeme für das Qualitätsmanagement. Diesbezüglich stehen dem produzierenden Betrieb nur die vom jeweiligen MES-Systemhaus angebotenen Lösungen zur Verfügung.

Achtung: Klassische Manufacturing Execution Systeme (MES) führen oft in die Abhängigkeit

Durch den privilegierten Zugang zu den im MES erfassten Daten schützt das MES-Systemhaus seine hauseigenen Anwendungen vor dem Wettbewerb mit marktgängigen Best-in-Class Produkten. Dies geschieht jedoch zum Nachteil der Anwender, denen der Einsatz heutiger und zukünftiger Spitzentechnologie im Bereich des Smart Manufacturing dadurch verwehrt wird. Aus der vollkommenen Herstellerabhängigkeit resultiert für das produzierende Unternehmen zudem ein enormes Investitionsrisiko, verbunden mit hohen Transaktionskosten.

Industrial IoT-Plattformen wurden dazu konzipiert, die mit dem MES verbundene Herstellerabhängigkeit aufzulösen. Eine IIoT-Plattform gewährleistet den uneingeschränkten Zugriff auf die in der Produktion erfassten Daten. Hierzu ist eine strikte Trennung zwischen den Erfassungssystemen der IIoT-Plattform und den darauf operierenden Anwendungen unabdingbar. Der wechselseitige Datenaustausch zwischen allen Systemkonstituenten geschieht über offen dokumentierte Webservices auf Basis gängiger Internettechnologien (Open API). Klassische MES Anbieter und Manufacturing Execution Systeme bieten dies in der Regel nicht.

Die Konzepte im Vergleich: MES und Industrial IoT sind Keine Feinde. Das IIoT ist die moderne Weiterentwicklung klassischer MES-Software. So lassen sich bestehende Manufacturing Execution Systeme beispielsweise in heutige IIoT-Plattformen nahtlos integrieren.

IIoT versus Manufacturing Execution System: Ein Vergleich

IIoT-Plattform /
Integrationsplattform

  • Kunden besitzen den vollen Zugriff auf ihre Betriebsdaten und steuern den Zugriff selbst (heißt: Datenhoheit bleibt im Unternehmen)
  • Betriebsdaten stehen im ganzen Unternehmen zur Verfügung, in der Produktion (Shop Floor) ebenso wie in der Planung (Top Floor – SAP / ERP)
  • Integration der Betriebsdaten in alle Systeme des Unternehmens – der Schlüssel für höhere Produktivität, Ressourceneffizienz und niedrigere Kosten
  • Zugang zu allen verfügbaren Smart-Factory-Anwendungen heute und in der Zukunft
  • Stabile, valide Auftragsfeinplanung durch Big-Data-Analyse aus Betriebsdaten der Vergangenheit
  • Vorhersagende Wartung (Predictive Maintenance): Big Data-Analyse identifiziert Fehlerursachen, bevor der Fehler entstehen kann
  • Investitionssicherheit und Flexibilität, da eine IIoT-Plattform offen gegenüber Drittsystemen ist und jede Smart Manufacturing App herstellerunabhängig mit allen erforderlichen Informationen versorgt

 Manufacturing Execution System (MES) / monolithisches System

  • Kunden greifen über lizensierte Herstellerprogramm auf ihre Betriebsdaten zu
  • Betriebsdaten stehen nur in der MES-Welt zur Verfügung. Die Produktion ist IT-seitig  weitgehend vom Rest des Unternehmens isoliert
  • Datensilos widersprechen dem Konzept der Industrie 4.0 und Smart Factory – einer smarten, digital vernetzten Produktion über Werke und Werkstore hinweg
  • Oft redundante Datenhaltung
  • Nutzung von Smart-Factory- Applikationen nicht möglich
  • Feinplanung mit Durchschnittswerten, welche meist schon nach Stunden hinfällig sind
  • Proaktive Qualitätssicherung ist nur mit hauseigenen Mitteln des MES-Anbieters möglich, falls diese vorhanden sind
  • Die Betriebs- und Maschinendatenerfassung in einem MES führt Kunden in die Herstellerabhängigkeit und in eine technologische Sackgasse. Hohes Investitionsrisiko und hohe Transaktionskosten

Case Study

In unserer Case Study gehen wir noch näher auf das Thema ein. Den Leitfaden zur Einführung einer IIoT Plattform, MES out of the box, finden Sie hier.

Über den Autor

Victor Gruber ist studierter Betriebswirt und hat nach seinem dualen Studium bei der FORCAM GmbH bereits mehrere Jahre Erfahrung in den Bereichen Marketing und Vertrieb gesammelt.

Sein Interesse gilt insbesondere neuen Technologien und digitalen, datenbasierten Geschäftsmodellen. Digitale Transformation und das IIoT sind sein Steckenpferd.

Victor Gruber

Marketing Manager

victor.gruber@forcam.com
News: FORCAM erwirbt MES-Spezialisten ENISCO aus Böblingen        mehr erfahren