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Alles was Sie über Instandhaltung wissen müssen – Definition, Aufgaben & die richtige Strategie finden

Published: · Last updated: · 11 min Lesezeit

Die technische Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte war rasant, technische Anlagen wurden immer komplexer und leistungsfähiger und sind inzwischen das Rückgrat unserer Wirtschaft und Gesellschaft. Umso wichtiger ist es, dass diese Anlagen sich stets in einem einwandfreien Betriebszustand befinden und ohne Ausfälle funktionieren. Hier kommt das Thema Instandhaltung ins Spiel.

Was versteht man unter Instandhaltung und welche Maßnahmen zählen dazu?

Die Instandhaltung dient dem Zweck, den Erhalt oder die Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit technischer Objekte wie beispielsweise Maschinen zu gewährleisten. Fachlich ausgedrückt ist die Instandhaltung also die Gesamtheit der Maßnahmen zur Bewahrung des Soll-Zustandes sowie zur Festlegung und Beurteilung des Ist-Zustandes.

Zur Instandhaltung wiederum zählen eine Reihe von technischen und administrativen Maßnahmenbereichen, die im folgenden Abschnitt erläutert werden.

 

Die Aufgaben der Instandhaltung

Die richtige Instandhaltungsstrategie finden

In der heutigen Zeit ist es im Unternehmen äußerst wichtig, eine Instandhaltungsstrategie zu entwickeln. Neben dieser Art von Strategie gibt es weitere wie bspw.:

  • Unternehmensstrategien
  • Geschäftsbereichsstrategien
  • Absatzstrategien
  • Investitionsstrategien

Bevor wir auf den Begriff der Instandhaltungsstrategie näher eingehen, muss zunächst der Strategiebegriff im Allgemeinen erklärt werden.

Mit einer Strategie wird ein genauer Plan des eigenen Vorgehens entworfen und umgesetzt, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen.

Die Instandhaltungsstrategie im Allgemeinen dient dazu, dass das Management bestimmte Instandhaltungsziele vorgibt, die dann erreicht werden sollen.

Zu den Instandhaltungszielen zählt es beispielsweise, die Lebenserwartung einer Maschine, einer Immobilie oder eines Gerätes zu verlängern, einen festgelegten Zustand zu erhalten, etc. Für die Instandhaltungsstrategien wird ein Budget vorgegeben, welches berücksichtigt werden muss.

Welche Arten von Instandhaltungsstrategien gibt es?

Instandhaltungsstrategien werden in verschiedene Klassen bzw. Arten aufgeteilt.
Dazu zählen:

  • Schadensabhängige Instandhaltungsstrategie
  • Vorbeugende Instandhaltungsstrategie
  • Prospektive Instandhaltungsstrategie
  • Aufgeschobene Instandhaltungsstrategie
  • Periodische Instandhaltungsstrategie
  • Zustandsorientierte Instandhaltungsstrategie

Im Folgenden wird jede dieser Strategien näher erläutert

Schadensabhängige Instandhaltung

Die schadensabhängige Instandhaltungsstrategie wird auch als reaktive Instandhaltungsstrategie (englisch = reactive oder breakdown maintenance) bezeichnet. Die schadensabhängige Instandhaltungsstrategie ist eine der Ur-Formen der Instandhaltung. Sobald etwas beschädigt bzw. defekt ist, muss es repariert werden. Bei dieser Strategie wird bewusst darauf abgezielt, dass etwas kaputt geht. Es findet keine vorbeugende Maßnahme zur Erhaltung der Maschine, Immobilie oder des Gerätes statt. Sollte es demnach zu einem Störfall kommen, muss schnell reagiert werden, um zeitnah weiterproduzieren zu können und die Kosten in überschaubaren Maßen zu halten. Ansonsten drohen zu lange Ausfälle und Kosten.

Vorbeugende Instandhaltungsstrategie

Die vorbeugende Instandhaltung wird auch planmäßige Instandhaltung genannt. Hauptziel bei dieser Strategie ist es, das Risiko von Ausfällen der Maschinen und Geräte auf ein Minimum zu reduzieren. Die systematisch vorbeugende Wartung erfolgt nach vordefinierten Abständen oder Nutzungsrichtlinien. Die Einsatzbedingungen der Maschinen werden dabei nicht berücksichtigt. Das Auswechseln als PKW-Zahnriemens nach einer bestimmten Kilometeranzahl oder der Wechsel eines Lichts nach gewissen Betriebsstunden gelten hier als Beispiele. Um eine systematisch vorbeugende Wartung bzw. Instandhaltungsstrategie einführen zu können, bedarf es einer genauen Kenntnis bezüglich der Lebensdauer und Verschlechterungen der Maschinen und Geräte.

Prospektive Instandhaltung

Die prospektive Instandhaltungsstrategie wird auch vorausschauende Instandhaltungsstrategie (englisch = predictive maintenance) genannt. Solange die Maschinen funktionieren und im gewünschten Takt produzieren, ist innerhalb der Lieferantenkette (Supply Chain) alles in Ordnung. Dies kann gut gehen, muss es aber nicht. In diesem Fall sind wir bei der oben beschriebenen schadensabhängigen Instandhaltung.

Problematisch wird das Ganze, wenn die Maschinen öfters defekt sind. Auf lange Sicht gesehen wird es dann für das Unternehmen schnell teuer. Spätestens mit Einführung der Industrie 4.0 wird es für Unternehmen problematisch, mit einer schadensabhängigen Instandhaltungsstrategie zu fahren. Die Konkurrenz schläft nicht. Mitbewerber, welche auf Big Data, künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen setzen, werden mit Hilfe der vorausschauenden Instandhaltung zukünftig die Nase vorn haben.

Die vorausschauende Wartung gehört zu den wichtigsten Instandhaltungsstrategien. Mit dieser Strategie werden Geräte und Maschine laufend, also während des Betriebs, überwacht. Dadurch wird festgelegt, wann die Maschine bzw. das Gerät gewartet werden muss. Die prospektive Instandhaltung basiert auf Schätzungen, die durch Analysen und Auswertungen der verschiedenen Maschinenparameter gewonnen werden.

Durch die vorausschauende Instandhaltung sollen Kosten eingespart werden, da nur im Bedarfsfall Arbeiten durchgeführt werden müssen. Man spricht daher bei der vorausschauenden Instandhaltung auch von einer zustandsbasierten Instandhaltung. Durch Maschinen, die untereinander vernetzt sind, können anhand der Zustandsdaten dieser Maschinen Informationen der Sensoren erfasst werden. Die gewonnenen Informationen werden dann entweder digital mit Daten aus dem MES (Manufacturing Execution System) oder dem ERP (Enterprise Ressource Planing) kombiniert. Dadurch ist es möglich, Inspektions- und Wartungszeitpunkte der Maschinen exakt vorauszusehen. Eine Methode, die vorausschauende Instandhaltung zu verwenden, ist Predictive Analytics.

Eine Wartung erfolgt erst an dem Zeitpunkt, wo diese notwendig ist. Es wird nicht nach festgelegten Intervallen oder einem Schaden gewartet. Dadurch werden Ressourcen und Wartungskosten eingespart.

Was ist eine aufgeschobene Instandhaltungsstrategie?

Bei dieser Strategie wird, sobald ein Schaden auftaucht, nicht direkt behoben. Stattdessen wird auf Grund der vorgegebenen Instandhaltungsrichtlinien die Reparatur zunächst aufgeschoben und für später geplant. Meistens wird diese Strategie von Unternehmen angewandt, welche auf Grund von Liquiditätsengpässen Kosten einsparen müssen. Auf Dauer bewährt sich diese Strategie jedoch nicht.

Periodische Instandhaltung

Bei dieser Strategie werden die Wartungen auf Basis eines Wartungsvertrags oder eines Wartungskalenders geplant und durchgeführt. Bei den Zeitpunkten der Wartungen orientiert sich das Unternehmen häufig an den Vorgaben der jeweiligen Hersteller oder an Erfahrungswerten. Mit dieser Instandhaltungsstrategie soll erreicht werden, dass Maschinenausfälle auf ein Minimum sinken und Reparaturen durchführt werden, bevor es zum Ausfall der Maschine kommt.

Zustandsorientierte Instandhaltung

Bei dieser Strategie werden zwei Wege eingeschlagen. Wie bei der periodischen Instandhaltungsstrategie werden regelmäßige Wartungen durchgeführt. Daneben kontrolliert man in regelmäßigen Abständen die Zustände der Maschinen. So werden mögliche Fehlerquellen schon im Vorfeld entdeckt und behoben. In regelmäßigen Intervallen oder kontinuierlich finden diese Wartungen statt. Dabei bedient man sich dem Condition Monitoring. Zudem erfordert diese Instandhaltungsstrategie, dass bestimmte Parameter wie Druck, Füllstand, etc. überwacht werden. Auf Basis dieser Daten können dann industrielle Wartungsarbeiten geplant und durchgeführt werden.

Was ist Condition Monitoring?

Condition Monitoring bedeutet zu deutsch Zustandsüberwachung. Verschiedene Parameter wie etwa Geschwindigkeit, Lautstärke, Temperaturen, Druck, Schwin-
gungen und Füllstände werden in regelmäßigen Abständen gemessen und erfasst. Mit diesen Werten wird der Maschinenzustand ermittelt und ausgewertet.

Unternehmen des produzierenden Gewerbes bietet das Condition Monitoring die Möglichkeit, den Zustand ihrer Maschinen besser zu verstehen und auf Abnutzungserscheinungen oder Veränderungen der Maschinen schneller zu reagieren. Dadurch können Maschinenwartungen besser geplant werden. Die Zustände der Maschinen werden in Echtzeit überwacht. In Notfällen kann daher schnell reagiert und entsprechende Sicherheitsmaßnahmen ergriffen werden. Die Maschine arbeitet effizienter und die Sicherheit wird erhöht. Ausfälle werden auf ein Minimum reduziert.

In vielen Fällen wird das Condition Monitoring in Verbindung mit vorausschauender Wartung (predictive maintenance) eingesetzt. Allerdings spielt das Condition Monitoring auch bei der vorbeugenden Instandhaltung eine große Rolle. So erkennt man schnell Unregelmäßigkeiten bei den Maschinen und behebt diese, bevor es zu einem (teuren) Schaden kommt. Da der Anwendungsbereich des Condition Monitoring sehr breit gefächert ist, ist die Nachfrage nach intelligenten und effizienten Condition Monitoring Systemen (CMS) entsprechend hoch. Wirkungsvolle Condition Monitoring Systeme analysieren Fehler und finden die Ursachen. Die Lebensdauer der Maschine wird dadurch maximiert. Rohstoffe, Kosten und Energie werden eingespart.

Zusammengefasst ermöglicht Condition Monitoring das präzise Auffinden von Fehlern, fördert vorbeugendes Handeln, optimiert die Wartungsintervalle, führt zu weniger Stillstandzeiten der Maschinen sowie zu einer besseren und zuverlässigeren Produktion.

Welche Strategie ist die Beste?

Es gibt nicht die perfekte Instandhaltungsstrategie. Stattdessen ist es sinnvoll, mehrere der aufgeführten Strategien miteinander zu kombinieren. So ist es bei vielen Unternehmen üblich, dass neben einer gewählten Strategie noch regelmäßigen Wartungen durchgeführt werden und so beispielsweise die vorausschauende Instandhaltungsstrategie mit der periodischen Instandhaltungsstrategie kombiniert wird.

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Olga Schmid

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