Um der kostenintensiven Entsorgung technisch veralteter Maschinen entgegenzuwirken, werden Anlagen stattdessen auf den aktuell neuesten Stand gebracht – eine zweite Chance für Anlagen also. Mit einem Retrofit lassen sich neben Geld auch Zeit und Ressourcen einsparen. Davon profitieren besonders kleine und mittlere Unternehmen.

Was bedeutet Retrofit?

Der Begriff Retrofit setzt sich aus zwei Wörtern zusammen: „Retro“, was auf Latein rückwärts bedeutet und aus dem englischen Wort „fit“, also anpassen. In Kombination beschreibt das Wort Retrofit den Vorgang „aus Alt mach Neu“. In der Industrie bezieht es sich auf das Anpassen von Bestandsanlagen an aktuelle technische Verhältnisse. Da die Vorrichtungen meist solide gebaut sind und weitestgehend funktionsfähig sind, können sie mit technischen Updates vergleichsweise günstig modernisiert werden.

Was zeichnet Retrofit aus?

Es ist eine kostengünstige Alternative zur Anschaffung neuer Einrichtungen. Durch die Überholung können Parameter wie Energieeffizienz und Produktionsqualität der vermeintlich alten Maschine erhöht und ihre Lebensdauer verlängert werden. Bevor eine Anlage aus dem Unternehmen ausscheidet, wird geprüft ob Bestandteile wie Steuerungen oder Automatisierung erweitert werden können.

Wesentliche Vorteile von Retrofit:

  • Investitionskosten: Die Aufwertung der technisch veralteten Anlagen ist im Vergleich zu Neuanschaffungen meist kostengünstiger. Dies ist einer der Vorteile welche als besonders erstrebenswert erachtet werden.
  • Mitarbeiter: Jahrelange Mitarbeiter sind routiniert im Umgang mit der Bedienung gewisser Maschinen. Tauscht man die Vorrichtung aus, so müsste die Bedienung neu erlernt werden. Erfolgt stattdessen eine Modernisierung, behält sie den Großteil ihrer Funktionen bei. Dadurch können hohe Umschulungsaufwände und Ressourcen eingespart werden.
  • Industrie 4.0: Durch die Erweiterung um beispielsweise Sensoren können technisch veraltete Maschinen mit dem Internet of Things (IoT) vernetzt werden. Die Digitalisierung ermöglicht Datenübertragen nahezu in Echtzeit. In weiterer Folge können diese Daten für Analysen und als Basis für wesentliche Entscheidungen genutzt werden.
  • Umbau und Stellplatz: Da bei einer Aufrüstung die ursprüngliche Maschine nicht entsorgt oder neu positioniert werden muss, bleibt sie meist auf ihrem gewohnten Stellplatz. Dadurch erspart man sich umständliches Umbauen der Maschinen und hohen Platzmangel.
  • Potentialsteigerung: Wird eine Maschine modifiziert und ihr Fundament bleibt erhalten, kann das ursprüngliche Potential genutzt werden. Da ihre Bestimmung nicht verändert wird, führen diverse Anpassungen zu Verbesserung. Dies schöpft das Potential der Anlage aus und kann im besten Fall die Produktqualität steigern bzw. ihre Effizienz erhöhen.
  • Gesetzgebung: Um gesetzliche Vorgaben auch mit alternden Anlagen zu erfüllen, erweisen sich Umbauten oder Erweiterungen der Anlagen als besonders vorteilhaft. Zu den Vorgaben welche eingehalten werden müssen, zählen beispielsweise Emissionssenkung oder Arbeitssicherheit.

Des Weiteren profitieren Unternehmen von der Verfügbarkeit neuer Teile. Während die Ersatzteile älterer Modelle meist schwerer anzuschaffen sind, werden neue Maschinenelemente öfter produziert und können dementsprechend einfacher nachbestellt werden. Zudem können wesentliche Anlageneigenschaften wie Funktionalität, Produktivität und meist auch Qualität optimiert und gesteigert werden.

Selbstverständlich muss man berücksichtigen, dass nicht jede Maschine upgedated werden kann. In Zusammenarbeit mit einem Spezialisten können individuelle Einschätzungen über die Sinnhaftigkeit eines Retrofittings getroffen werden. Zudem sollten Sicherheitsbestimmungen stets überprüft und auf Basis der Rechtslage angepasst werden (Maschinensicherheit, Mitarbeiterschutz).

Welche Vorgehensweise kann verfolgt werden?

Eine systematische Herangehensweise ist beim Nachrüsten der Maschinen essenziell. Zu Beginn bedarf es einer ausführlichen Analyse. Diese beinhaltet Antwortet auf folgende Fragen: Welche Ziele werden verfolgt, wie können diese erreicht werden und welche konkreten Informationen sind nötig um das Ziel zu erreichen? Dabei spielen Informationen über Maschinenauslastung, Energieverbrauch, Programm- oder Maschinenstatus eine wesentliche Rolle.

Neben den auffallenden finanziellen Vorteilen, welche sich durch eine Aufrüstung ergeben, sind ressourcenschonende Effekte, wie z.B. der Entfall von aufwändigen Mitarbeiterschulungen entscheidende Kriterien, die für ein Retrofitting sprechen. Vor einer Umrüstung werden klarerweise die Umsetzbarkeit geprüft und danach smarte Ziele definiert. Neuanschaffungen kostspieliger Anlagen sind also nicht immer notwendig und können mit vergleichsweise geringem Aufwand zur verlängerten Lebensdauer leistungsfähiger Anlagen führen.

 

 

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